Steigende Stahl-Nachfrage dank KI-Rechenzentren


24.09.26 - Der Bau neuer KI-Rechenzentren benötigt überdurchschnittlich viel Stahl. Stahlbauunternehmen können davon profitieren. Doch die Medaille hat eine Kehrseite.



Stahlbauunternehmen profitieren vom massiven Ausbau und Neubau von KI-Rechenzentren, insbesondere in den USA. Laut Studien der Investmentbank Jeffries soll der Bedarf an Stahl weiter steigen. Getrieben wird die Nachfrage durch den Infrastrukturausbau, namentlich neue Rechenzentren im Zuge des KI-Booms. Eine Prognose der Bank rechnet bis zum Jahr 2030 mit einer Zunahme des Stahlbedarfs in den USA um +3,5% pro Jahr, was rund 2 Millionen Tonnen Stahl entspricht.  

Hoher Stahlbedarf in Rechenzentren  
Im Gegensatz zu normalen Bürogebäuden benötigen Rechenzentren ein Vielfaches an Stahl, da die Gebäude extrem hohe Lasten tragen müssen. So werden schwere Kühlanlagen oft auf dem Dach mehrstöckiger Strukturen montiert. Auch für die Innenausstattung von Rechenzentren wird viel Stahl verwendet. Laut Angaben von Thyssenkrupp stehen in einem durchschnittlichen Rechenzentrum rund 10’000 Server-Racks, was rund 1’000 Tonnen Stahl entspricht. Dazu kommen eine massive Infrastruktur für Kühlung, Brandschutz und andere Sicherheitsvorkehrungen, für die nahezu ausschliesslich Stahl verbaut wird – Rohre, Lüftungsschächte, Doppelböden, Transformatorengehäuse sowie physische Sicherheitsbarrieren rund um das Gebäude.  

Unterschiedliche Grössenordnungen  
Zu beachten sind jedoch die Grössenunterschiede. Gemäss einer mit dem KI-Tool Gemini durchgeführten Kurzanalyse, welche aktuelle Baudaten und Branchenberichte (u. a. von Morgan Stanley, Thyssenkrupp und spezialisierten Stahlbauunternehmen) zusammenfasst, kommt ein «normales», modernes Neubau-Rechenzentrum für Cloud-Dienste mit rund 3’000 bis 5’000 Tonnen Stahl aus. Mega-Rechenzentren, wie sie von Techgiganten wie Amazon, Google oder Microsoft für den KI-Einsatz gebaut werden, spielen in einer anderen Liga: Sie benötigen jeweils rund 10’000 bis 20’000 Tonnen Stahl.  

Konkurrenz um Strom  
Aus Sicht von Stahlproduzenten und Stahlbauunternehmen kann man sich über die stärkere Nachfrage nach Stahl aufgrund von Investitionen in neue KI-Rechenzentren auch in Europa freuen. Doch die Sache hat einen Haken. Während einerseits beide Player – Betreiber von Rechenzentren und Stahlbaufirmen – profitieren, werden sie andererseits zu Konkurrenten auf dem Strommarkt.  

Laut einem Bericht in «MBI Stahl aktuell» vom 15. Juli 2026 schlug die Vereinigung US-amerikanischer Stahlunternehmen bereits Alarm: Der unersättliche Strombedarf der KI-Rechenzentren treibe die Stromkosten in die Höhe – und zwar um «mehrere 10 Millionen Dollar pro Jahr». Einige US-Stahlproduzenten beklagten gar Stromkosten-Steigerungen von über 70% gegenüber dem Vorjahr.  

Diese Steigerungen fallen mit dem Boom der KI-Rechenzentren zusammen. Laut einer Prognose im Auftrag des US-Energieministeriums könnten Rechenzentren bis zum Jahr 2030 rund 10% bis 15% des Stroms in den USA verbrauchen.  

Ein Blick auf Europa  
Europa hat einen deutlich geringeren Anteil an der weltweiten KI-Rechenleistung als die USA – Schätzungen zufolge ca. 5% gegenüber 70%. Der Anteil am Stromverbrauch durch Rechenzentren liegt derzeit bei rund 4%. Prognosen gehen aber auch hier von einem starken Anstieg an.  

Ähnlich in der Schweiz. Der Stromverbrauch der Rechenzentren gegenüber dem Gesamtstromverbrauch in der Schweiz beträgt laut einer Studie des Bundesamtes für Energie (BFE) rund 3,5% bis 4%. Das kleine Land hat im internationalen Vergleich aber eine der höchsten Rechenzentrumsdichten weltweit. Zwar findet das stromintensive Training grosser KI-Modelle selten in der Schweiz statt. Doch der Boom der Cloud-Industrie und der wachsende Zuzug globaler Techunternehmen werden als grosse Herausforderung für das Schweizer Stromnetz gesehen. Experten schätzen, dass der Anteil am Stromverbrauch durch Rechenzentren in der Schweiz bis 2030 ebenfalls auf 10% bis 15% ansteigen könnte.  

Bereits heute spürt die europäische Stahlindustrie einen enormen Druck durch steigende Energie- und Strompreise. Ein weiterer Treiber neben dem KI-Boom ist hier auch die laufende Umstellung von klassischen Hochofenrouten auf Elektrolichtbogenöfen (EAF) oder direktreduziertes Eisen (DRI) mit Wasserstoff. Dies senkt zwar die direkten CO₂-Emissionen und verbessert so die Ökobilanzierung metallischer Bauwerkstoffe gegenüber Holz, erhöht dafür aber den Stromverbrauch der Stahlwerke.  

Handlungsbedarf  
Dieser Ausblick zeigt den dringenden Handlungsbedarf in der Schweiz bei der Sicherung der Energieressourcen. Das Thema wird uns in der Politik in den nächsten Jahren stark beschäftigen. Der AM Suisse wird sich zusammen mit den grossen Wirtschafts- und Industrieverbänden für eine zukunftsfähige und sichere Stromversorgung aus dem Inland zu tragbaren Preisen einsetzen.  

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