12.10.26 - Schweizerischer Arbeitgeberverband SAV: Der Lohnherbst bringt ein Kaufkraftplus – und neben überhöhten Forderungen die altbekannten Behauptungen.
Pünktlich zum Lohnherbst kehren neben überhöhten Forderungen auch altbekannte Behauptungen zurück: Die Unternehmen behielten die Produktivitätsgewinne auf Kosten der Arbeitnehmenden für sich. Oder: Die Krankenkassenprämien stiegen stärker als die Löhne, weshalb es einen kräftigen Lohnaufschlag brauche. Warum stimmen beide nicht, und wie viel Lohn liegt 2027 drin?
Der SAV analysiert die Daten der Konjunkturforschungsstelle KOF und zeigt auf, welche durchschnittliche Lohnerhöhung 2027 realistisch ist. Für 2027 ist das laut SAV derzeit rund 1% mehr Nominallohn im Durchschnitt. Dank tiefer Teuerung wird die Kaufkraft weiter wachsen.
Dabei gilt es jedoch zu beachten, dass je nach Betrieb und Branche die Vorzeichen für Lohnrunde anders aussehen. Der vom SAV erwähnte Durchschnitt von 1% versteht sich als Mittelwert über alle Industrie- und Gewerbezweige hinweg. Einzelne Gewerbe sind jedoch sehr stark unter Druck. Zum Beispiel mussten einige Zweige der MEM-Branche grosse Stellenreduktionen verkünden.
Auch für die Branchen des AM Suisse ist die Lage schwierig. In der Landtechnik ist die Auftragslage stark rückläufig. Nicht zuletzt aufgrund der extremen Trockenheit dieses Sommers sind Landwirtschaftsbetriebe finanziell unter Druck und stellen deshalb den Kauf neuer Maschinen oder Wartungsarbeiten zurück. Den Metall- und Stahlbau wiederum betreffen die aufgrund der geopolitischen Konflikte dramatisch gestiegenen Material- und Energiepreise besonders stark. Für die Branchen des AM Suisse wäre die zusätzliche Belastung einer pauschalen Lohnerhöhung unmöglich zu verkraften.
Die Behauptung der Gewerkschaften und von gewissen Exponenten der politischen Linken, die Unternehmen würden die schwierige Wirtschaftslage als Vorwand nutzen, um bei den Löhnen zu sparen und die Produktivitätsgewinne für sich zu behalten, ist falsch. Dies bestätigt die Analyse des SAV. Bei korrekter Vergleichsgrösse stiegen die Reallöhne seit 2014 stärker als die Produktivität. Die Krankenkassenprämien sind für viele eine Belastung. Sie steigen prozentual zwar stärker als die Löhne. Bei einem durchschnittlichen Haushalt ist der Lohnzuwachs in Franken jedoch grösser als der Anstieg der Krankenkassenprämien.